Dienstag, 8. März 2011
2 Meter vor mir steht ET und schaut mich mit seinen großen seltsamen Augen fragend an. Wen er glaubt, er könne mit meinem Handy nach Hause telefonieren, hat er sich geschnitten! Die Roamingkosten wären galaktisch.
Ich bin weder in Hollywood noch im bayerischen Landtag. Auch wen die bizarren Gestalten die hier rumlaufen eigentlich nur auf einen dieser beiden Orte schließen lassen könnten. Ich bin in Viareggio auf dem Karneval. Cowboys, Ritter, und Super Marios tummeln sich in den Straßen. Die ganze Stadt gleicht einem riesigen Ameisenhaufen, nachdem ein irrer Kammerjäger dort mit den Insektiziden experimentiert hat. An Stelle der großen Festwagen, die tagsüber die Vie und Piazze kreuzen, findet man jetzt nur Menschenmassen. Verzweifelt versuchen einzelne Gruppen zusammenzubleiben indem sie große Flaggen umher schwingen. Eine gute Idee, die den Harken hat, das sich die Hälfte dieser Gruppen patriotisch für die italienischen Farben entschieden haben. Insgesamt der nahezu schlechteste Ort um eine Rueda zu starten. Mitten auf der Straße versuchen wir eine kleine freie Fläche zu schaffen. Ein par Trommler haben sich bereit erklärt Musik zu liefern.
Es ist schwierig sich ein Rueda vorzustellen. Zum Glück müsst ihr das auch nicht: Auf meinem Facebook–Profil könnt ihr euch einen Ausschnitt dieses Ruedas anschauen. Habt ihr diese Möglichkeit jedoch nicht, dann muss diese Erklärung reichen: In der Mitte eines Kreises kämpfen zwei Personen, ohne sich zu berühren. Hin und wieder bricht ein Angetrunkener (oder einfach nur Glückloser) in den Kreis ein und stellt plötzlich mit einer Mischung aus Überraschung und durchaus begründeter Angst fest das ihm Prinzessin Leja eine Laserpistole an den Kopf hält und das er in den nächsten zwei Sekunden besser nüchtern werden sollte.
Auch ich muss antreten. Mit athletischer Perfektion kämpfe ich gegen meinen Kollegen und sehe wahrscheinlich fast aus wie Neo in Matrix. (1) Ok, vielleicht eher wie Mr. Bean. Aber das ist egal. Dabei sein ist alles, und die Menge um uns herum würde wahrscheinlich sogar jubel wen wir plötzlich den „Alle meine Entchen – Tanz“ hüpfen würden.

Wir sind wieder auf dem Heimweg. Neben mir sitzt Dimitry. Er ist nervös. Unser Fahrer, Voice hat einmal von der „goldenen Mitte“ gehört und prompt entschieden dieses Prinzip auch im Straßenverkehr anzuwenden (währe ja auch Platzverschwendung nur eine Straßenhälfte zu nutzen). Dazu kommt sein italienischer Fahrstiel (2). Momentan ist mir das jedoch egal: Ich merk (nicht zum ersten mal) das ich Italien vermissen werde. Nicht das Land, die Sprache oder Mentalität, sondern die Freunde die ich hier gefunden habe.



(1): Nachdem er seinen Gleichgewichtsinn verloren, und zusammen mit Orpheus nen Getränkemarkt geplündert hat. Hey, bleiben wir realistisch, ja!
(2): Außer dem bereits genanntem Hupen zeichnet sich der italienische Fahrstiel dadurch aus, das man alles tun kann was man will. Du must nur an dich glauben (und hoffen das der entgegenkommende Fahrer kein Italiener ist und vor dir bremst).

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Dienstag, 1. März 2011
Machetentag - di nuovo!
Ich will den Leuten wirklich nicht vorschreiben was sie essen sollen. Ich will ihnen nur vorschreiben was sie nicht essen sollen. Zum Beispiel Cappuccionudeln. Der Stinknormalverbraucher sieht im Supermarkt diese Spagetti und sagt „ Hey, das ist ja cool“ (1)
Tatsächlich hat DER VERBRAUCHER aber keine Ahnung was es für eine Arbeit macht schon allein den Cappuccio zu putzen, schneiden, waschen, hacken und dann auch noch zu verpacken.
Na gut. Vielleicht übertreib ich. Normalerweise hab ich keine so eine schlechte Einstellung gegenüber den Verbrauchern. Immerhin bin ich selbst einer. Der wahre Grund für meinen Ärger ist etwas anderes: Um ehrlich zu sein , ich hab gerade ein wenig Angst. Und zwar vor meinem Kollegen Juns. Das heißt, ich hab nicht vor ihm selbst Angst, sondern eher von der Art wie er mit seiner Machete den Cappuccio in kleine Stücke hackt. Warum? Es besteht die beunruhigende Möglichkeit das die roten Nudeln heute ausnahmsweise mal von etwas anderem rotem ihre hübsche gesunde Farbe erhalten. Capito? Oder muss ich ins Detail gehen? Es gibt 2 Kettenhandschuh auf dieser Azienda. Einer ist momentan verschollen und den anderen trägt Juns. Dem metallischem Geräusch zu urteilen, das ich alle 2 Minuten höre, hat er ihn sogar noch dringender nötig als ich. Ich starr auf die Uhr. Zum 84. mal heute. Nur noch 4 Stunden und ich fahr zusammen mit den anderen der Capoeiragruppe nach Viareggio. Zum Karneval. Also, weiterarbeiten! Ich werf die Cappucciofetzen in den Behälter neben mir und Juns trifft schon wieder seine Finger. Die müssen sich inzwischen anfühlen wie Nadelkissen. Ich schau auf die Uhr, zum 85. mal.



(1): Ok, in Wirklichkeit sagt kein Verbraucher sowas komisches. Gewönlich bleibt es bei Worten wie: Hey, Schatz. Schau mal die Nud … OH VERDAMMT, DEINE MUTTER RAUBT SCHON WIEDER DEN KASSIERER AUS!!!

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Donnerstag, 24. Februar 2011
Stadt der Verrückten!?
“Gira a sinistra! Gira a sinistra!”
Ich bin in Gubbio, "Citta dei matti" (Stadt der Verrückten), und gerade beginn ich zu verstehen warum man sie in ganz Italien so nennt: Kein normaler Mensch würde einen Ausländer erlauben mit seinem Auto durch die engen Gassen und Straßen des Ortes zu irren. Besonders wen der entsprechende Ausländer ich bin. Hinter mir, auf der Rückbank, sitzt mein gubbianisches Navi und Besitzer des Autos. "Bravo! Bravo!“ erklärt er.
Aber wieso wollte er eigentlich das ich sein Auto steuer? Und wieso gondel ich überhaupt durch diese seltsame Stadt?
Um ehrlich zu sein, ich kann keine der beiden Fragen beantworten.
Zwei Tage zuvor kam ich zusammen mit seiner Tochter Paola, der Haushälterin der Azienda auf der ich arbeite, hier her. Ich wusste bereits dass die Bewohner Gubbios vom Rest Italiens für verrückt erklärt wurden. Insofern fühlte ich mich schon am ersten Tag wie ein Einheimischer. Das Leben hier ist viel langsammer und ruhiger als im hektischen Veneto (1 (siehe Ende des Beitrages)) und die Stadt selbst ist eine der schönsten italienischen die ich bisher gesehen hab. Gleichzeitig ist sie die stereotypischste: Über den Gassen wird immer noch selbstbewusst die Biancheri, die Wäsche, zum Trocknen aufgehängt. Vielleicht sehe ich deshalb hier so wenige Touristen. Immerhin gibt es nichts terrorisierendes als unter einem Sonnensegel gigantischer, tropfender Unterhosen durchlaufen zu müssen. Anders als beispielsweise in Venedig, merkt man deutlich das Gubbio immer noch am Leben ist und mehr für die Bewohner, als für die Touristen da ist.
Wir passieren die Ampel der Kleinstadt (es gibt nur eine) und fahren an der „Piazza dei quaranta morti“ vorbei. Am Kriegsdenkmahl sitzen die Signori, genießen die Sonne und tauschen den neusten Tratsch aus. Das Auto schleppt sich die steile Via hoch zum Corso (=Hauptstraße) der das eigentliche Zentrum des Ortes bildet. Den Rest müssen wir zu Fus gehen. Das heißt: steile Gassen, Rampen und Treppen. Man könnt fast sagen das Gubbio selbst eine einzige, überdimensionierte Treppe ist, an deren Spitze man die „Piazza grande“ findet, eine riesige Ausichtsplattform und unser Ziel.
Ein paar Straßen weiter gibt es die zweifelsfrei kurioseste Sehenswürdigkeiten der Stadt: Die „Fontana dei matti“ (der Brunnen der Wahnsinnigen) Angeblich wird man verrückt wenn dreimal um sie herumläuft und danach von einem Bewohner des Ortes mit dem Wasser des Brunnens „getauft“ wird. Aber scheinbar haben sogar die Gubbianer eingesehen das es keine gute Idee wäre jemanden wie mich zu gubbiisiren. (2)
„Siamo arrivati!“ (= Wir sind angekommen!) Wir stehen auf dem „Piazza grande“ , daneben der beeindruckenden „Palazzo dei consoli“. Unter uns breitet sich das Dächermeer der Stadt aus und in der Ferne zeichnen sich die grauen Berge ab. Die Glocke des Palazzo schlägt. Das Leuten mischt sich mit dem fleißigem Hupen (3) der Autofahrer das bis hier oben hörbar ist. Es ist 3 Uhr.
Es ist 11 Uhr (4). Statt dem Hupkonzert höre ich mir im Augenblick italienische canzoni (Gesänge) an und auf der freien Fläche vor unserem Tisch schieben sich einige Gäste der Feier gegenseitig in der Gegend rum. Sie tanzen Walzer. Paolas Familie hat mich zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung eingeladen. Ich hab schon eine Pizza hinter mir und arbeite gerade fieberhaft an der zweiten. Ob nun verrückt oder nicht, die Gubbianer, die ich kennengelernt hab, sind auf jeden Fall liebenswürdiger als manche normale Menschen.


(1): Obwohl dort vermutlich mein Chef der einzige Grund für diese Hektik ist.
(2): Egal wie verrückt man auch ist, der Selbsterhaltungstrieb behält fast immer die Oberhand.
(3): Die sog. Hub-Kommunikation ist eine Verständigungsform die parallel zur italienischen Sprache existiert. Einige der wichtigsten Wendungen sind:
Huup = Ciao, come va? = Hi, wie geht’s?
Huup = Sono qui! = Ich bin hier!
Huuup = Quella vacca di tua madre! = Du Kuh deiner Mutter!
(4): Für alle die sich jetzt fragen was plötzlich mit den anderen 8 Stunden passiert ist: Das hier nennt man einen Zeitsprung und gehört zur rhetorischen Special-Effect-Trickkiste eines jeden Bloggers, oder zumindest zu meinem.


Anmerkung des Autors: Wenn sie sie diesen Blog lesen werden sie sicherlich auf Rechtschrib – und Gramatigfehler stosen. Diese, sind, Allesamt beabsichtigt und dienen dazu diesem, Bog seine Einzigartigkeit zu verleihen.

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